RECHTLICHER HINWEIS

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Reifen 1×1: Beschaffenheit | Kennzeichnung | Profiltiefe | Traglast | Geschwindigkeitsindex | Bußgeld | Punkte

235/55 R17 103 V – sieht aus wie ein Passwort, ist aber der Steckbrief deines Reifens. Wer die Angaben versteht und an der richtigen Stelle die Profiltiefe misst, erkennt Probleme früher. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie viel Profil vorhanden ist, sondern auch, wo.

Was bedeuten die Angaben auf der Reifenflanke?

Am Beispiel 235/55 R17 103 V lassen sich die wichtigsten Angaben erklären:

Angabe Bedeutung
235 Nenn-Querschnittsbreite des Reifens in Millimetern. Sie ist nicht mit der tatsächlichen Laufflächenbreite gleichzusetzen.
55 Verhältnis der Querschnittshöhe zur Nennbreite in Prozent. Rechnerisch sind 55 Prozent von 235 mm gleich 129,25 mm.
R Radialbauweise. Das R steht hier nicht für Radius.
17 Felgendurchmesser in Zoll; nicht der Außendurchmesser des gesamten Reifens.
103 Tragfähigkeitsindex, auch Lastindex genannt. 103 entspricht einem Tabellenwert von 875 kg je Reifen.
V Geschwindigkeitssymbol. V steht für eine Geschwindigkeitskategorie bis 240 km/h.

Lastindex und Geschwindigkeitssymbol müssen zu Fahrzeug und Einsatz passen. Der Tabellenwert zur Tragfähigkeit gilt unter den jeweiligen Betriebsbedingungen; unter anderem sind Luftdruck und gegebenenfalls Abschläge bei hohen Geschwindigkeiten zu berücksichtigen. Einfach viermal 875 kg zu rechnen und daraus eine zulässige Fahrzeugbeladung abzuleiten, funktioniert deshalb nicht.

Tragfähigkeitsindex: Welche Zahl steht für welche Last?

Der Tragfähigkeitsindex, auch Lastindex oder Load Index (LI) genannt, ist die Zahl hinter der Reifengröße und vor dem Geschwindigkeitssymbol. Er bezeichnet die maximale Tragfähigkeit eines einzelnen Reifens unter den festgelegten Betriebsbedingungen. Die Zahl ist ein Tabellencode und keine direkte Kilogrammangabe.

Bei 235/55 R17 103 V bedeutet 103 somit einen Tabellenwert von 875 kg je Reifen. Die folgende Übersicht zeigt die Lastindizes von 50 bis 124. Sämtliche Lastangaben gelten in Kilogramm je Reifen:

LI kg LI kg LI kg
50 190 75 387 100 800
51 195 76 400 101 825
52 200 77 412 102 850
53 206 78 425 103 875
54 212 79 437 104 900
55 218 80 450 105 925
56 224 81 462 106 950
57 230 82 475 107 975
58 236 83 487 108 1000
59 243 84 500 109 1030
60 250 85 515 110 1060
61 257 86 530 111 1090
62 265 87 545 112 1120
63 272 88 560 113 1150
64 280 89 580 114 1180
65 290 90 600 115 1215
66 300 91 615 116 1250
67 307 92 630 117 1285
68 315 93 650 118 1320
69 325 94 670 119 1360
70 335 95 690 120 1400
71 345 96 710 121 1450
72 355 97 730 122 1500
73 365 98 750 123 1550
74 375 99 775 124 1600

Wie findest du den erforderlichen Wert? Entscheidend sind die für dein Fahrzeug genehmigte Bereifung und die maßgeblichen zulässigen Achslasten. Bei einer Achse mit zwei einzelbereiften Rädern gibt die halbe Achslast eine erste rechnerische Orientierung. Hinzu kommen die Anforderungen aus Geschwindigkeit, Reifenausführung, Luftdruck und gegebenenfalls besonderen Auflagen.

Beispiel: Bei 1.300 kg zulässiger Achslast und zwei einzelbereiften Rädern entfallen rechnerisch 650 kg auf jeden Reifen. Das entspricht dem Tabellenwert LI 93. Ob dieser Index tatsächlich ausreicht, ist zusätzlich anhand der erforderlichen Geschwindigkeitseignung und der Genehmigungs- beziehungsweise Herstellerangaben zu prüfen.

Luftdruck und Geschwindigkeit gehören dazu: Die angegebene Tragfähigkeit steht nicht bei beliebigem Luftdruck zur Verfügung. Bei hohen Geschwindigkeiten können Tragfähigkeitsabschläge erforderlich sein; für Geschwindigkeiten über 300 km/h sind die konkreten Herstellerangaben maßgeblich. Eine XL-Kennzeichnung ersetzt weder den passenden Lastindex noch den vorgeschriebenen Fülldruck.

Ein höherer Lastindex erhöht außerdem nicht die zulässige Achslast oder Gesamtmasse deines Autos. Diese Fahrzeuggrenzen bleiben bestehen.

Geschwindigkeitssymbole: Ein kurzer Überblick

Symbol Geschwindigkeitskategorie
T 190 km/h
H 210 km/h
V 240 km/h
W 270 km/h
Y 300 km/h
ZR Über 240 km/h; allein keine genaue Höchstgeschwindigkeit und keine pauschale Freigabe über 300 km/h.
ZR mit geklammerter Betriebskennung, z. B. (101Y) Für Geschwindigkeiten über 300 km/h ausgelegt; konkrete Einsatzgrenzen nach Herstellerangaben.

Maßgeblich sind die für das Fahrzeug erforderlichen Reifen. Dass du persönlich nur 130 km/h fahren möchtest, erlaubt nicht automatisch einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex. Gesetzliche Ausnahmen bestehen unter anderem für entsprechend gekennzeichnete Winterreifen; dann sind die vorgeschriebenen Hinweise beziehungsweise Anzeigen und die niedrigere Reifengeschwindigkeit zu beachten.

Was bedeutet „(Y)“? So wird die Kennzeichnung häufig verkürzt bezeichnet. Auf der Reifenflanke steht die Klammer üblicherweise um die gesamte Betriebskennung aus Lastindex und Geschwindigkeitssymbol, beispielsweise (101Y). Zusammen mit ZR bezeichnet sie Reifen für Geschwindigkeiten über 300 km/h. Die konkrete Höchstgeschwindigkeit, Tragfähigkeit und der erforderliche Luftdruck müssen für den Einsatz durch die entsprechenden Herstellerangaben abgedeckt sein. Die Klammer bedeutet also nicht „unbegrenzt“.

DOT: Wann wurde der Reifen hergestellt?

Der vierstellige Datencode am Ende der Reifenidentifikationsnummer nennt Produktionswoche und Produktionsjahr. 3515 bedeutet beispielsweise: 35. Kalenderwoche 2015. Die vollständige Kennzeichnung mit Datencode kann sich nur auf einer Reifenseite befinden.

Das Datum ist kein allgemeines Verfallsdatum. Für gewöhnliche Pkw-Reifen besteht keine pauschale gesetzliche Austauschpflicht nach einer festen Zahl von Jahren. Alterung, Risse, Verhärtung und andere Schäden können einen Reifen trotzdem unbrauchbar machen. Sonderregeln für bestimmte Einsätze bleiben zu beachten.

Merke: Viel Profil macht einen alten oder beschädigten Reifen nicht automatisch sicher. Die DOT-Angabe erklärt das Alter – den Zustand musst du zusätzlich prüfen.

Weitere Kennzeichnungen: Was ist wichtig?

XL / Extra Load / Reinforced: Hinweise auf eine erhöhte Tragfähigkeit innerhalb der jeweiligen Reifenausführung. Entscheidend bleiben die konkreten Freigaben, der Lastindex und der vorgeschriebene Luftdruck.

Rotation: Ein Pfeil kennzeichnet bei laufrichtungsgebundenen Reifen die vorgeschriebene Drehrichtung. Outside / Inside bezeichnet bei asymmetrischen Reifen die Außen- beziehungsweise Innenseite.

Alpine-Symbol: Bergpiktogramm mit Schneeflocke für Reifen, die die entsprechenden Wintereigenschaften nachweisen. Eine bloße M+S-Aufschrift genügt bei Pkw für die heutige Winterreifenpflicht in Deutschland nicht.

E-Prüfzeichen: Kennzeichnet eine entsprechende Typgenehmigung. Es sagt allein noch nicht, dass diese Reifendimension auf deinem konkreten Fahrzeug zulässig ist. Auch DOT ersetzt die Prüfung der in Deutschland erforderlichen Genehmigungen nicht.

Welche Reifen darf dein Auto fahren?

Die montierte Kombination muss für das Fahrzeug zulässig sein. In der Zulassungsbescheinigung Teil I stehen unter den Feldern 15.1 und 15.2 Reifenangaben. Weitere zulässige Kombinationen können sich aus der Übereinstimmungsbescheinigung (CoC) oder aus Unterlagen zu genehmigten Änderungen ergeben.

Die Reifendimension allein genügt nicht: Auch Felge, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitseignung und etwaige Auflagen müssen passen. Bei Zubehörfelgen können zusätzliche Nachweise oder Abnahmen erforderlich sein.

Radial- und Diagonalreifen: Bei einem gewöhnlichen Pkw dürfen diese Bauarten nicht miteinander gemischt werden – das betrifft das gesamte Fahrzeug, nicht nur eine einzelne Achse. Unterschiedliche zugelassene Reifendimensionen vorn und hinten sind eine andere Frage und können je nach Fahrzeug durchaus erlaubt sein.

Wie viel Profiltiefe ist vorgeschrieben?

Für Pkw-Reifen schreibt § 36 Absatz 3 StVZO im Hauptprofil mindestens 1,6 mm vor, und zwar am gesamten Umfang. Das gilt auch für Winter- und Ganzjahresreifen. Empfehlungen zu einem früheren Austausch sind von dieser gesetzlichen Mindestanforderung zu unterscheiden.

Ein Mittelwert über mehrere Messstellen reicht nicht: Eine verschlissene Stelle im Hauptprofil wird nicht dadurch ausgeglichen, dass an einer anderen Stelle noch deutlich mehr Profil vorhanden ist.

Geltungsbereich: Dieser Beitrag behandelt vor allem Pkw-Reifen. Für Fahrräder mit Hilfsmotor, Kleinkrafträder und Leichtkrafträder nennt das Gesetz abweichend mindestens 1 mm.

Wo liegen die Hauptprofilrillen?

Als Hauptprofil gelten die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche. Dieser Bereich nimmt nach dem Gesetz etwa drei Viertel der Laufflächenbreite ein. Die Mindestprofiltiefe bezieht sich also nicht auf jeden kleinen Einschnitt und jede feine Lamelle.

Wichtig bei den drei Vierteln: Gemeint ist die Laufflächenbreite, nicht einfach die Nennbreite aus der Reifenbezeichnung. Aus „225“ auf der Flanke lässt sich daher nicht durch bloßes Multiplizieren mit 0,75 eine rechtlich exakte Messzone von 168,75 mm festlegen.

Entscheidend sind die tatsächliche Lauffläche und die breiten Hauptprofilrillen des jeweiligen Reifens. Die TWI-Markierungen helfen dabei, die darin liegenden Verschleißanzeiger zu finden. Sie ersetzen aber nicht die Prüfung des übrigen Hauptprofils.

Was gilt für die äußeren Rillen und die Reifenschulter?

Außerhalb des Hauptprofils ist nicht pauschal ebenfalls eine Tiefe von 1,6 mm vorgeschrieben. Trotzdem verlangt § 36 StVZO Profilrillen oder Einschnitte am ganzen Umfang und auf der ganzen Breite der Lauffläche.

Praktisch bedeutet das: Auch in den äußeren Bereichen müssen die dort vorhandenen Profilrillen beziehungsweise Einschnitte noch als solche erkennbar sein. Sie können flacher als 1,6 mm sein. Sind sie vollständig weggefahren und ist der betreffende Laufflächenbereich glatt, ist die Bereifung nicht allein deshalb in Ordnung, weil die Mitte noch genügend Profil aufweist.

„Sicht- beziehungsweise fühlbar vorhanden“ beschreibt diese Restprofilierung anschaulich. Der gesetzliche Maßstab ist aber das tatsächliche Vorhandensein von Profilrillen oder Einschnitten. Unabhängig davon sind Schäden oder erhebliche einseitige Abnutzung gesondert zu beurteilen.

Zwei Anforderungen: Im Hauptprofil mindestens 1,6 mm rundum. Auf der gesamten Lauffläche weiterhin Profilrillen oder Einschnitte. „In der Mitte passt es noch“ ist deshalb keine vollständige Reifenprüfung.

TWI: Markierung an der Flanke, Steg in der Rille

TWI steht für Tread Wear Indicator, also Verschleißanzeiger. Kleine Markierungen an der Reifenflanke, etwa „TWI“ oder ein entsprechendes Symbol, weisen auf die Stellen hin. Von dort findest du in den Hauptprofilrillen kleine erhabene Gummistege.

Bei üblichen Pkw-Reifen markieren diese Stege die Verschleißgrenze von etwa 1,6 mm. Liegt die angrenzende Profiloberfläche auf gleicher Höhe, ist diese Grenze erreicht. Zusätzliche herstellerspezifische Verschleißanzeigen können auch andere Werte kennzeichnen.

Die entscheidende Messregel: Die Messspitze gehört neben den TWI-Steg bis auf den Rillengrund. Wer oben auf dem Steg misst, misst nicht die vollständige verbleibende Rillentiefe.

Profiltiefe richtig messen: Schritt für Schritt

  1. Reifen prüfen: Auch die innere Schulter und die schlecht einsehbaren Bereiche ansehen. Für weitere Umfangsstellen das Fahrzeug gegebenenfalls sicher versetzen.
  2. Hauptprofilrillen finden: Die breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche auswählen. Feine Lamellen sind nicht automatisch Hauptprofilrillen.
  3. Messstelle freimachen: Lose Steine oder Schmutz dürfen das Messergebnis nicht verfälschen.
  4. Messgerät korrekt ansetzen: Die Auflage liegt auf den benachbarten Profilflächen. Die Messspitze reicht senkrecht bis zum Rillengrund – neben dem Verschleißsteg.
  5. Mehrere Stellen messen: Die Hauptprofilrillen über die Breite und an mehreren Umfangsstellen prüfen. Auffällige Verschleißstellen gezielt einbeziehen.
  6. Gesamten Reifen beurteilen: Äußere Profilierung, Innen- und Außenschulter, Flanken und mögliche Schäden gehören ebenfalls zum Check.

Ein geeigneter, unbeschädigter Profiltiefenmesser ist dafür besser geeignet als eine bloße Schätzung. Ein Münztest kann eine grobe Orientierung geben, ersetzt aber keine genaue Messung an der gesetzlichen Grenze.

Welche Bußgelder und Punkte drohen?

Für unzureichendes Profil bei einem Pkw gelten bei gewöhnlicher fahrlässiger Begehung folgende Regelsätze. „Sachbeschädigung“ meint einen durch den Verstoß verursachten Sachschaden:

Verstoß Regelbußgeld Punkte
Fahrer: Fahrzeug mit unzureichendem Profil in Betrieb genommen 60 Euro 1
Fahrer: zusätzlich mit Gefährdung 75 Euro 1
Fahrer: zusätzlich mit Sachbeschädigung 90 Euro 1
Halter: Inbetriebnahme angeordnet oder zugelassen 75 Euro 1
Halter: zusätzlich mit Gefährdung 90 Euro 1
Halter: zusätzlich mit Sachbeschädigung 110 Euro 1

Wenn der Halter selbst fährt: Für diesen Profilverstoß ist nach § 3 Absatz 2 BKatV der höhere Halterregelsatz anzuwenden. Es bleibt also nicht automatisch beim Fahrer-Grundbetrag von 60 Euro. Die Beträge werden für dieselbe Handlung nicht einfach addiert.

Ein Regelfahrverbot ist für diese Profilverstöße nicht vorgesehen. Beim üblichen Bußgeldbescheid kommen mindestens 25 Euro Gebühr und 3,50 Euro Zustellungsauslagen hinzu. Aus 60 Euro werden damit regelmäßig 88,50 Euro, aus 75 Euro 103,50 Euro. Weitere Kosten können hinzukommen.

Bei gefährlichen Mängeln kann die Weiterfahrt unterbunden werden. Verletzt ein durch den Reifenzustand mitverursachter Unfall einen Menschen, können zusätzlich strafrechtliche Folgen entstehen.

Nicht nur Profil: Schäden und Luftdruck prüfen

Beulen, tiefe Schnitte, freiliegendes Gewebe, erhebliche Risse oder Druckverlust sind Warnzeichen. Solche Schäden werden nicht durch ausreichende Profiltiefe geheilt. Bei Auffälligkeiten gehört der Reifen in eine fachkundige Prüfung.

Den vorgeschriebenen Luftdruck findest du üblicherweise an einer Fahrzeugkennzeichnung oder in der Betriebsanleitung. Der gegebenenfalls auf der Reifenflanke angegebene Maximaldruck ist nicht automatisch der passende Betriebsdruck für dein Auto.

Winterreifenpflicht: Eigenes Thema, eigener Beitrag

Wann Winterreifen vorgeschrieben sind, was das Alpine-Symbol bedeutet und welche Regeln für Ganzjahresreifen gelten, erfährst du ausführlich im ergänzenden Beitrag:

Winterreifenpflicht in Deutschland: Was gilt wirklich?

Situative Winterreifenpflicht, Kennzeichnung, Profiltiefe und Bußgelder verständlich erklärt.


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Merke: Reifenkennzeichnung verstehen, Zulässigkeit prüfen und an der richtigen Stelle messen. Im Hauptprofil müssen beim Pkw rundum mindestens 1,6 mm vorhanden sein. Die äußere Lauffläche darfst du dabei nicht ignorieren – und die Messspitze gehört neben den TWI-Steg.




Stand: 20. Oktober 2026